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Wachstum – Problem oder Lösung?

Dieser Frage ging auf Einladung der ÖDP Neu-Ulm und Günzburg Bernhard Suttner, ehemaliger ÖDP-Landesvorsitzender und jetzt Referent für Zukunftsfragen im Foyer der Fuggerhalle in Weißenhorn nach.

Suttner brachte das Problem auf einen kurzen Nenner: Wirtschaftswachstum beschleunigt die Entropie, d.h. neben der Ressourcenerschöpfung sind es die Umwandlungs- oder Emissionsmengen, welche die Existenz sämtlichen Lebens einschließlich der Gattung Mensch gefährden. Diese physikalische Wahrheit ist unumkehrbar und es stellt sich daher für ihn die Frage, warum große Teile von Politik und Ökonomie dieses Wachstumsproblem hartnäckig ignorieren und blind am der Messzahl BIP (Bruttoinlandsprodukt) festhalten. Suttner: „Das BIP wächst und wird bejubelt, obwohl wir objektiv ständig ärmer werden, weil die Vorräte abnehmen, die Chancen schwinden und die Krisen sich zuspitzen.“ Der Referent hält es für zynisch, wenn jeder Unfall, jede Katastrophe das BIP steigert, während gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit wie beispielsweise die Sorge-Arbeit in den Familien, keinen Eingang findet.

Suttner hält sich nicht lange bei der Analyse auf. Er wirft einen kritischen Blick auf Lösungskonzepte für die öko-soziale Krise ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Die Frage, ob wir so weitermachen können wie bisher, wird unmissverständlich verneint. Nur eine grundlegende Transformation aller unserer Lebensbezüge kann eine desaströse Entwicklung des Planeten noch in der Lebenszeit unserer Kinder und Enkel abschwächen, so der Referent.

Suttner hat begründete Zweifel, dass allein ein sog. grünes Wachstum die Lösung sein kann. Dieses locke mit der Ankündigung, dass am herkömmlichen Wohlstandsverständnis nicht gerüttelt werden müsse. Mit hoher Effizienz, erneuerbaren Energien und einer umfassenden Kreislaufwirtschaft nach dem Braungart-Konzept „cradle to cradle“ könne eben kein neues Wirtschaftswunder national und weltweit erreicht werden, weil der sog. Rebound-Effekt des grünen Wachstums ein neues ungelösten Problem mit sich bringe. Das Konzept „grünes Wachstum“ sei prinzipiell nicht falsch, wird aber nach Meinung der ÖDP scheitern, wenn dieser Rebound-Effekt nicht durch eine konsequente Ordnungspolitik bekämpft werde. Suttner wirbt für eine Runderneuerung des Steuer- und Abgabensystems: „Die öko-soziale Transformation braucht ein Steuersystem, mit dem die Verursacher von Gefahren hoch belastet werden, der Abgabendruck von der Arbeit genommen und die neutralen bzw. positiven Beiträge entlastet werden.“ Suttner hält das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie für unverzichtbar, um den Zielkatalog aller Wirtschaftsakteure zu bereichern. Ziel müsse es sein, an allen Produktionsstätten des Weltwirtschaftssystems existenzsichernde Löhne und Erlöse durchzusetzen und nirgendwo zerstörerische Produktionsverhältnisse zulasten der ökologischen Kreislaufstabilität zuzulassen.

Suttner schließt seinen 90minütigen Crashkurs in politischer Bildung mit einem Bekenntnis zur Suffizienz, dem großen Tabu der Transformation. Es geht um die Beschränkung der Ansprüche des Menschen an die planetarischen Bedingungen. Er spricht nicht von Verlust, sondern von Gewinn: Zeitwohlstand, Beziehungswohlstand und Entstressung und bemüht M. Gandhi: „Die Welt hat genug für Jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für Jedermanns Gier.“  Ziel müsse eine Postwachstumsökonomie sein mit bewusst weniger Umsatz von Material und Kapital.

Suttner ist bewusst, dass diese Suffizienz-Strategie politisch schwer bis gar nicht vermittelbar ist und trotzdem ist das Brechen dieses Tabus Aufgabe der Stunde. Die ÖDP habe sich stets mit aller Deutlichkeit der Notwendigkeit verschrieben, die Beschränkung der Ansprüche an den Planeten zu thematisieren. Das mache sonst niemand in der politischen Landschaft, auch in diesem Bundestagswahlkampf nicht. „In der politischen Kommunikation gilt nach wie vor der Grundsatz, dass man Wählerinnen und Wählern die Härte der Wahrheit ersparen muss. Dem muss sich jemand entgegenstellen. Das ist unser Job als konsequente Ökologen. Wer sich Politiker wünsche, von denen er nicht belogen werde, für den führe an der ÖDP kein Weg vorbei“, so Suttner abschließend.

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